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KBV-Pressemitteilung zum Tag der Niedergelassenen 2010
Ärzte Zeitung, 10.05.2010
Ärzte für morgen - was muss anders werden?
Von Sunna Gieseke
Der Arztberuf steht vor neuen Herausforderungen: Ärztemangel, Ökonomisierung und Feminisierung sind die Stichworte. Jetzt gilt es, Konzepte zu finden, die die ambulante Versorgung flächendeckend sichern.
Die niedergelassenen Ärzte stehen vor neuen Herausforderungen: Ihr Beruf befindet sich im Wandel - vor allem, da nicht mehr allein die Patientenversorgung im Vordergrund steht. Vielmehr wächst der ökonomische Druck in den Praxen der niedergelassenen Ärzte. "Die Nachfrage nach medizinischen Leistungen steigt stetig. Der Zugang wird jedoch nicht gesteuert, die finanziellen Mittel steigen nicht", sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Köhler, beim zweiten Tag der Niedergelassenen der KBV - mit der "Ärzte Zeitung" als Medienpartner - in Berlin.
Um die Ausgaben im Gesundheitssystem sinnvoll zu steuern, bedürfe es neuer Konzepte, so Köhler. Brandenburgs Gesundheitsstaatssekretär Dr. Daniel Rühmkorf betonte, dass Arzneimittelregresse für Ärzte - spätestens, seitdem Krankenkassen Rabattverträge abschlössen und die Kosten intransparent seien - "kein geeignetes Mittel sind, die Ausgaben zu kontrollieren": Eine Positivliste könne Regresse überflüssig machen.
In Zeiten knapper Mittel müsse die Politik anfangen, sich mit der Frage nach Priorisierung von Leistungen zu beschäftigen, forderte Köhler: "Priorisierung ist nicht per se etwas Schlimmes. Sie vermeidet Rationierung." Um die ambulante flächendeckende Versorgung zu sichern, seien gute Ideen erforderlich. "Die neuen Versorgungsstrukturen, die etwa durch das Vertragsarztrechtsänderungs-Gesetz im Jahr 2007 geschaffen worden sind, werden bisher nur zögerlich genutzt", sagte die Vize-Chefin der Bundesärztekammer, Cornelia Goesmann.
In Zukunft werden diese an Bedeutung gewinnen - nicht allein durch die sogenannte Feminisierung des Arztberufs. "Inzwischen sind 60 Prozent der Medizinstudierenden Frauen", sagte Köhler. Dieser Entwicklung müsse man künftig stärker Rechnung tragen.
Bereits jetzt seien etwa 4000 Ärztinnen im niedergelassenen Bereich angestellt - 2008 waren es noch 1200. Die Arbeitsmöglichkeiten müssten flexibler werden, da gerade Frauen es vorzögen, angestellt zu arbeiten. Die niedergelassene Neurologin Dr. Annette Mainz-Perchalla ergänzte: "Viele Frauen müssen sich genau überlegen, ob sie tatsächlich nur einen halben Arztsitz nehmen, da man damit kaum über die Runden kommt."
Dem Ärztemangel jedoch könne man nur mit einer kleinteiligen Bedarfsplanung begegnen, die eine wohnortnahe - auch fachärztliche - Grundversorgung sichere. Eine solche Bedarfsplanung müssen die Sektoren ambulant und stationär überwinden, forderte Köhler. Er zerstreute die Hoffnung, dass diese bereits im nächsten Jahr umgesetzt werden könne.
Mit dem Bundesministerium für Gesundheit erarbeite man derzeit gemeinsam ein Konzept dafür. Doch bis die neue Bedarfsplanung stehe, würden noch drei bis vier Jahre vergehen.
Rühmkorf zeigte sich von dem Vorhaben wenig begeistert. Seine Befürchtung: "Das führt nur wieder dazu, dass sich Ärzte in überversorgten Gebieten niederlassen."
Ärzte Zeitung, 31.03.2010
Starkes Programm für die Vertragsärzte
Der Top-Kongress der Gesundheitswirtschaft wird weiter aufgewertet: die niedergelassenen Ärzte rücken 2010 in den Fokus.
BERLIN (hom). Zum zweiten Mal laden die KBV und die Kassenärztlichen Vereinigungen Vertragsärzte und -psychotherapeuten zu einem Forum speziell für ihre Anliegen am 7. Mai ins Berliner ICC ein.
Der „Tag der Niedergelassenen“ ist eingebettet in das Fortbildungsprogramm des Deutschen Ärzteforums beim Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit 2010. Zu dem dreitägigen Kongress-Marathon, der am 5. Mai mit einer Rede von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) startet, werden mehr als 7000 Ärzte, Klinikmanager, Pflegefachkräfte sowie Vertreter aus Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft erwartet.
Neben der politischen Diskussion können sich Vertragsärzte, Psychotherapeuten und ihr Praxispersonal beim "Tag der Niedergelassenen" in Info-Seminaren weiterbilden, im „Speaker's Corner“ rhetorischen Schlagabtauschen beiwohnen oder auf dem „Info-Markt“ der KVen über Serviceangebote ihrer Standesorganisation erfahren. Der Eintritt zum „Tag der Niedergelassenen“ ist für Vertragsärzte, Vertragspsychotherapeuten und Praxispersonal frei. Die Anmeldefrist endet am 30. April. Für die Teilnahme sind sechs Fortbildungspunkte vorgesehen.
„In diesem Jahr ist das Programm noch stärker am praktischen Nutzen für die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten ausgerichtet“, verspricht KBV-Vorstand Dr. Andreas Köhler. Erörtert werden sollen die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Gründung eines MVZ, Ansätze und Entwicklungen einer qualitätsorientierten Vergütung in der vertragsärztlichen Vergütung („Pay for Performance“) sowie Fragen zur Umsetzung der neuen Ambulanten Kodierrichtlinien (AKR) in der Arztpraxis ab dem 1. Juli 2010. Außerdem soll gezeigt werden, wie ein Qualitätsmanagement-System in der Praxis erfolgreich umgesetzt werden kann und welche Schritte für die Implementierung eines wirksamen Hygieneplans nötig sind. Auf einem Gemeinschaftsstand wollen KVen und KBV über Möglichkeiten der Online-Anbindung für Arztpraxen informieren.
Im politischen Teil beim „Tag der Niedergelassenen“ geht es um Perspektiven und Entwicklungen des Berufsbilds „Arzt“. Laut Prognosen der KBV müssen in den nächsten fünf Jahren knapp 28.000 Arztsitze neu besetzt werden. Vor allem in ländlichen Regionen fehle es an Haus- und Fachärzten. Die Versorgungsplanung müsse kleinteiliger organisiert und stärker auf die Bedürfnisse von Dörfern und Kleinstädten zugeschnitten werden.
Hauptstadtkongress-Präsident Ulf Fink wünscht sich trotz solcher Probleme aber auch positive Botschaften. „Der Arztberuf“, betont Fink, „ist nach wie vor einer der schönsten Berufe, den es gibt.“ Leider werde vielen Ärzten ihre Tätigkeit „durch das Thema Bürokratie verleidet“. Ähnlich sieht es der Leiter des Ärzteforums, der Berliner Unfallchirurg Professor Axel Ekkernkamp. „Arzt sein ist der absolut tollste Beruf.“ Ärzte würden überall auf der Welt gebraucht, sagt Ekkernkamp. „Und es wird nie passieren, dass man Ärzte nicht gebrauchen könnte.“
Ärzte Zeitung, 31.03.2010
Arzt im Wandel: Beruf statt Berufung?
Umfragen zufolge ist eine Mehrheit der Ärzte in Deutschland davon überzeugt, dass der Arztberuf in Zukunft an Attraktivität verlieren wird. In dieser Einschätzung sind sich niedergelassene Ärzte und Krankenhausärzte weitgehend einig. 56 Prozent der Ärzte, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Rahmen einer Repräsentativbefragung für den MLP Gesundheitsreport 2009 befragte, teilen diese Befürchtung.
Nur eine Minderheit von neun Prozent rechnet damit, dass der Arzt-Beruf attraktiver werden könnte. Bedenklich auch: Nur jeder zwanzigste kurativ tätige Arzt ist der Ansicht, dass sich die Behandlungssituation in der Gesetzlichen Krankenversicherung verbessert hat. Über Herausforderungen der Niedergelassenen debattieren beim „Tag der Niedergelassenen“ im Rahmen des Hauptstadtkongresses KBV-Chef Dr. Andreas Köhler, Annette Widmann-Mauz (Parlamentarische Staatssekretärin im BMG), Professor Karl Lauterbach (gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion), Dr. Cornelia Goesmann (Vizepräsidentin der Bundesärztekammer) und Dr. Annette Mainz-Perchalla (niedergelassene Neurologin). (hom)
Info: „Der Arzt im Wandel: Beruf statt Berufung?“, Freitag, 7. Mai, 11.00 Uhr bis 12.30
Ärzte Zeitung, 20.04.2010
Fortbildung fürs Praxisteam: Medizinprodukte richtig aufbereiten
Medizinprodukte in der Arztpraxis können zur rechtlichen und hygienischen Falle werden.
BERLIN (reh). Hygiene ist und bleibt ein wichtiges Thema in den Arztpraxen. Dabei hat in der Vergangenheit immer wieder ein Aspekt Ärger gemacht: die Aufbereitung von Medizinprodukten. Inwieweit ist sie in Praxen erlaubt? Welche Anforderungen werden an Mitarbeiter gestellt? Und welchen Sterilisator muss die Praxis vorhalten?
Da diese Fragen gar nicht so einfach zu klären sind, beschäftigt sich auch der "Tag der Niedergelassenen" auf dem diesjährigen Hauptstadtkongress mit der Hygiene in der Praxis. Ein Seminar auf dem gemeinsamen Forum von KBV und Kassenärztlichen Vereinigungen trägt deshalb auch den Titel "Medizinprodukte hygienisch richtig aufbereiten". Und die Inhalte sind sehr praxisnah. Auf der Grundlage des Medizinproduktegesetzes, an das sich Arzt und Praxisteam hier halten müssen, werden die Anforderungen an die hygienische Aufbereitung genannt. Und das bezogen auf die Ausstattung der Aufbereitungsräume, die Kleidung, die Reinigung, Desinfektion und Sterilisation sowie die Qualifikation des Personals.
Außerdem erhalten die Seminarteilnehmer mittels Checklisten und Flowcharts konkrete Informationen für den Praxisalltag. "Diese Infos können sehr hilfreich sein, um Prozessbeschreibungen im Rahmen eines Qualitätsmanagement-Systems zu erstellen", sagt Andreas Kintrup, Stellvertretender Geschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter Versorgungsqualität der KV Westfalen-Lippe, der die Veranstaltung leitet. Denn die QM-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses verlangt ganz klar von den Praxen ein Hygienemanagement. Wobei sich das Seminar nicht nur an die Praxisinhaber, sondern vor allem auch an die Praxismitarbeiterinnen wendet.
Das Seminar findet am 7. Mai von 14 bis 15.45 Uhr statt. Veranstaltungsort ist das ICC Berlin.






